Sorry für die Stille hier, aber die letzten Tage hier waren einfach nur vollgepackt. Aber machen wir weiter mit meinem Hitchhiking- Abenteuer.
Nach ca. 3 Stunden Schlaf unter freiem Himmel bewegte ich mich gegen 5 Uhr morgens zu den sanitären Anlagen, dass übliche Programm abspulen.
Nun hieß es Daumen hoch, bzw. erst einmal mein Glück bei den Truckern versuchen. Nach über zwei Stunden, gab ich auf, ging zu den beiden Polizisten die im Restaurant ihren Kaffee schlürften und fragte, ob ich mich auf die On Ramp (Autobahnauffahrt) stellen könnte. Nachdem beide damit kein Problem hatten, marschierte ich dorthin und hielt mein Schild "Need Company? WEST" hoch.
Nach ca. 20 Minuten hielt ein freundlicher Mann an. Er nahm mich zwar nur eine Ausfahrt weiter mit, da er dorthin auf dem Weg zur Arbeit war. Es war keine große Distance, aber ich sage immer, jeder Kilometer hilft.
An der nächsten On Ramp stellte ich mich also wieder auf. Leider wurde diese Strasse zum Großteil von Einheimischen befahren die Alle nicht in meine Richtung fuhren. Langsam fing es an zu regnen und die ersten Autos fingen an zu bremsen und etwas genauer zu gucken, aber niemand hielt an. Ich war müde, mir war Kalt und ich fühlte mich dreckig. Ich überlegte evtl. auf öffentliche umzuschwenken, um so bis nach Chicago zu kommen. Als dann jedoch ein freundlicher Handwerker anhielt und mich Richtung Akron mitnahm verflog diese Idee. Eigentlich wollte er bei Akron nach Süden fahren, war aber so nett mich ein Stück nach Norden, bis zur nächsten größeren Ausfahrt zu bringen. Der Typ war übrigens sehr lustig drauf. Um sich arbeitsmäßig abzusichern, will er nun neben seinem Handwerksgeschäft eine Firma gründen, welche Online-Games produziert und vertreibt. Irgendwie sowas in der Art, leider war die Zeit zu knapp um noch mehr herauszufinden.
Apropos Zeit. Es war ca. 11 Uhr Vormittag, ich war seit 6 Stunden auf den Beinen und bin nur ca. 100 km vorangekommen. Im Vergleich zum vorherigen Tag war das eine schlechte Bilanz. Aber das sollte sich ändern.
Ich stellte mich also wieder an eine On Ramp, diesmal mit einem Schild mit der Aufschrift "North West" da ich ca. 40 Kilometer südlich von Cleveland war. Ich stand für ca. 30 Minuten in der prallen Sonne und hatte ein schlechtes Gefühl. Wenige Autos fuhren auf sie Interstate, da diese mit Baustellen übersäht war. Generell herrschte auch hier ziemlich viel lokaler Verkehr und die Interstate war wenig befahren. Ich überlegte erneut auf die öffentlichen umzusteigen, was ich dann in Angriff nahm. Ich lief also zur nächstgelegenen Bushaltestelle wartete auf den Bus und fragte den Fahrer wann und wo der nächste Bus nach Cleveland fährt um dort dann in einen Greyhound-Bus umzusteigen. Es stellte sich schnell heraus, dass der nächste Bus ca. 3 Stunden auf sich warten lässt. Ich entschied mich also schnell wieder aus dem Bus auszusteigen und anstatt 3 Stunden in der Stadt zu warten, die Zeit zu nutzen, um vielleicht doch jemanden zum anhalten zu bewegen.
Ich lief also zurück zur On Ramp, hielt wieder mein Schild hoch und keine 5 Minuten später war die Welt wieder in Ordnung, da etwas eigentlich unglaubliches passierte.
Ein Rot-Orangener Jeep hielt also an. Ich schnappte meinen Rucksack, lief hin und traute meinen Augen kaum. Eine Frau, ca. Ende 30 mit einem, wie sich später herausstellte, fünfjährigen Kind wollte mich also mitnehmen. Warum das so unglaublich ist? Weil Frauen, männliche Hitchhiker NIE mitnehmen und erst recht nicht, wenn dazu noch ein Kind auf der Rücksitzbank sitzt. Aber das sollte noch nicht das Ende der Storry sein. Wir fuhren also nach Norden, Richtung Cleveland. Nachdem ich ihr (Ihr Name ist Sarah) erzählte was ich vorhabe meinte Sarah, sie würde mich etwas Westlich von Cleveland, an einem großen Rastplatz absetzten. Fein für mich. Wir redeten ein wenig und fanden uns glaube ich beide recht sympatisch, bis Sarah mich fragte ob ich denn eine Stunde warten könne, bevor wir weiter fahren. Klar, für mich kein Problem. Sarah meinte also das sie eine Freundin in Toledo (ca. zwei Stunden westlich von Cleveland) anrufen würde, um sie zu fragen ob wir bei ihr zum Abendessen kommen könnten. Vorher hätte ich jedoch noch die Wahl zwischen einer Dusche oder Einkaufen. Ich entschied mich für das Einkaufen, da ich Sarah nicht noch mehr Umstände machen wollte. Wir gingen also einkaufen, fuhren zu ihrem Haus, Einkäufe ausladen, dann holten wir ihren 15-jährigen Sohn Alex von der Schule ab, sie zeigte mir noch ihren Gemüsegarten und ihren Teich und fünf Minuten später waren wir; Sarah, ihr fünfjähriger Sohn Ian und ich; auf dem Weg nach Toledo. Ihre Feundin Cam in Toledo dachte es währe ein Witz, als sie ihr schrieb, dass sie mit Ian und einem deutschen Hitchhiker auf dem Weg nach Toledo wäre und wir sie in zwei Stunden am Einkaufsmarkt treffen würden.
Als wir Cam dann dort trafen glaubte sie ihren Augen kaum, war aber sehr erfreut und aufgeschlossen.
Wir gingen also Lebensmittel für das Abendessen einkaufen und eine halbe Stunde später lagen ein paar leckere Steaks auf dem Grill. Nebenbei stellte sich heraus, dass beide Damen leidenschaftlich gern, irgendeine verrückte Variation von Romme spielten, was wir dann auch gemacht haben.
Als das Essen dann also fertig war und wir gemeinsam mit Ian und Cams beiden Kindern am Tisch saßen, meinte Sarah: Weißt du, von hier sind es nur noch ca. vier Stunden bis nach Chicago, nach dem Essen brechen wir auf und ich fahre dich dorthin.
Ich so: Äh ok, bist du dir sicher?
Sarah: Ja, ich fahre gern Auto, Ian kommt damit auch klar, du bist eine angenehme Person, ich muss morgen nicht arbeiten und ich hätte Schuldgefühle, wenn ich dich jetzt irgendwo absetzten würde.
Kurz vor Neun waren wir also wieder auf der Strasse auf dem Weg nach Chicago.
Auf dem Highway wurden wir von einem Polizisten wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten (na Vati, kommen da Erinnerungen hoch ;-) ?), da Sarah jedoch als Telefonistin bei der Polizei arbeitete (Sie hätte ich am Telefon gehabt, wenn ich im Cleveland- Umland 911 gewählt hätte) gab es nur eine Verwarnung.
Gegen 12 Uhr kamen wir dann in Chicago Ohare Oasis an, wo mich mein ehemaliger Host-Dad Joe abholte. Jetzt waren es nur noch ca. 90 Minuten bis North Prairie wo schon ein Bett auf mich wartete. Sarah drehte auf der Stelle um und fuhr den ganzen Weg bis nach Cleveland zurück. Am nächsten Tag schrieb sie mir, dass sie morgens gegen 7:30 zu Hause angekommen ist. Nach 6 Stunden Autofahrt hat man sich viel erzählt, ich denke wir werden in Kontakt bleiben. Sie hat mir mehr als nur einen Gefallen getan und zumindest das bin ich ihr schuldig: DANKE
Ich denke zu Sarah werden ich nach meinem Trip noch ein-zwei Worte verlieren.
In Sarahs Auto habe ich durchgehalten, in Joes Auto jedoch, nickte ich mitten in unseren Unterhaltungen immer wieder ein. Schließlich war ich seit ca. 20 Stunden wach und der Schlaf der letzten Nacht war auch nicht sehr erholsam.
Ich fiel also ins Bett und schlief sofort ein.
Übrigens, Peter zahlt für sein Appartment in Manhatten 1.600 Dollar, was ca. 1.300 Euro entspricht. Christian, du warst also nahe dran.
Bye.
(Sorry für evtl. Rechtschreibfehler, aber so einen Text im Bus auf dem iPhone zu schreiben, ist manchmal schwieriger als man denkt.)
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